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San Pedro – der Traum der Atacamawüste

In den sechs Tagen in und um San Pedro hat sich so viel ereignet und gleichzeitig ist so wenig passiert, dass wir uns entschlossen haben, dieses Mal die Geschichte ein wenig anders zu erzählen. Es gibt diesmal weniger Fotos, dennoch wollen wir euch das Abenteuer (die filmreife Geschichte) nicht vorenthalten.
Gleich vorweg – ein wunderschöner Ort in einer außergewöhnlichen Landschaft, die auf jeden Fall dazu einladen – und das haben wir uns auch vorgenommen – wiederzukommen.

Tag 1 – Ankunft in San Pedro

Wir landen am Flughafen in Calama, unser Gepäck hat den Transit in Santiago leider nicht geschafft – „don‘t worry, it will come later“.
Knapp 1 Stunde später ist endlich unser Transfer nach San Pedro da – „sorry, bad roads conditions; it has been raining“ – Okay, hat es also in der trockensten Wüste der Welt geregnet…
Endlich am Weg nach San Pedro und wow – Wasser- und Schlammmassen wälzen sich über die Straßen, unser Fahrer meint „that‘s normal – it‘s antiplanic winter“
Mehrere Schlammstraßen später sind wir im Hotel angekommen – der Raum, in dem es im Normalfall Frühstück gibt, war voll Schlamm und wird gerade gereinigt und – wenn es regnet wird der Strom abgestellt …. aber „don‘t worry – it should be back later – oh and no electricity means no water – if you want to find something for dinner, just look for a restaurant, that cooks with gas“
Und das haben wir dann auch – und konnten bei leckerem Essen den Geburtstag von Christians Mama, Brigitte feiern. Checkin hat auch oldscool funktioniert (weil ohne Computer) mit Papierzettel. 
Am späteren Abend kam auch der Strom zurück – im Lokal wurde gejubelt – und wir konnten nach einer heißen Dusche und dem ereignisreichen Tag einschlafen.

Tag 2 – Das Warten beginnt

In der Nacht hat es wieder geregnet und dementsprechend war wieder alles nass.
Da der Frühstücksraum noch immer unbenutzbar war, durften wir uns direkt aus der Küche bedienen – Das Frühstück, samt warmen Tee und Kaffee hat die Lebensgeister zurückgebracht und nachdem es auch aufgehört hat zu regnen, wollten wir dann auch noch ins Zentrum starten, um uns nach Touren zu erkundigen. Davor aber…
Der Anruf bei der Fluglinie, wie es unserem Gepäck geht – die Auskunft war „don‘t worry, it arrived in Calama (dem nahegelegenen Flughafen) & will be on the way soon“
San Pedro ist eine süße kleine Stadt mit vielen Restaurants und Tour-Agencies, die unterschiedliche Ausflüge anbieten. Also haben wir uns durchgefragt und fast durchgehend die Antwort bekommen „Sorry, all Tours are currently closed due to the rain“ – erst nach und nach haben wir erfahren, dass es die letzten 3-4 Tage stark geregnet hat und die Straßen und Ausflugsziele entweder hoffnungslos überflutet, bzw teilweise sogar zerstört waren.
Auch die Hauptverbindung zwischen Calama und San Pedro war zu dem Zeitpunkt geschlossen.
Na bumm, da hat der „Antiplanic Winter“ ganz ordentlich zugeschlagen.
Am Nachmittag wieder zurück im Hotel und die Fluglinie angerufen, um den Status vom Gepäck zu erfragen – mittlerweile hatten wir schon eine Nacht hinter uns. Auf den Hinweis, dass die Straße gesperrt sei, kam die lapidare Antwort „don‘t worry, the delivery process has been initiated and your luggage will be there by the end of the day“. Unwahrscheinlich aber OK (und ein wenig hoffnungsfroh).
Im Laufe des Tages habe wir auch das lokale Büro von Sernatur gefunden – die offizielle Tourismusbehörde. Die hat uns bestätigt, dass zZ alles geschlossen ist und wir aufpassen sollen, falls uns jemand trotzdem Ausflüge anbietet – es geht schlicht und einfach nichts „todo cerrado“. Wenigstens wurden die paar Touristen die es in die Stadt geschafft hatten mit einer Tanzperformance im Hauptplatz bei Laune gehalten – tolle Kostüme waren das.
Nach einem Abendessen im Trockenen (mittlerweile kannten wir die Stadt schon sehr gut, ist die Hauptstraße ca 1km lang) sind wir hoffnungsvoll zum Hotel retour – kein Gepäck da.
Also, nochmals bei der Fluglinie angerufen… gleiche Info „Luggage will arrive soon“.
Also, auf in die zweite Nacht ohne Gepäck…dafür mit Wasser und Strom. Und ein herzerwärmendes Erlebnis gab es trotzdem – wir konnten den Sonnenuntergang über San Pedro sehen und erstmals auch die – wirklich wundervolle – umliegende Landschaft.

Tag 3 – Eine Überraschung folgt der anderen

Weniger Regen in der Nacht und vereinzelte blaue Flecken am Himmel geben Hoffnung.
Frühstück wieder aus der Küche holen – mittlerweile haben wir uns bei unseren Zimmern unter einem kleinen Vorsprung einen Tisch mit Sesseln organisiert, um den Anschein von Gemütlichkeit zu wahren. Außerdem war es trocken und mit Sonne sogar warm.
Erneut ein Anruf bei der Fluglinie – diesmal ausgedehnter… wir haben erfahren, dass das Call-Center in Kolumbien sitzt und keine Ahnung von der Wetterlage und der Straßensperren hat. Dem Anschein nach kamen wir zum ersten Mal an eine bemühte Mitarbeiterin, die versucht hat, unsere Situation zu verstehen – dennoch blieb es bei der Info „delivery has been initiated and we will do our best to get the luggage today“.
Raus aus dem Hotel, rein ins Zentrum – kurzes Update bei Sernatur „todo cerrado“ – nach wie vor bleibt alles geschlossen. Darüber hinaus wurde uns empfohlen San Pedro zu verlassen, da eine neue Regenfront im Anmarsch ist.
Im Gespräch mit der örtlichen Polizei wurde die Aussage unterstrichen und bestätigt, dass die Straße zwischen Calama und San Pedro zZ nur in eine Richtung offen ist – raus aus San Pedro, damit Touristen „rausgebracht“ – um nicht zu sagen evakuiert – werden können, lediglich Einwohner durften nach San Pedro fahren.
Naja, raus aus San Pedro ohne zu wissen wo unser Gepäck ist, war keine Option, bleiben ohne Gepäck wurde schwieriger und somit taten wir das einzig wahre….
Shopping in San Pedro – wir haben uns durch diverse (3) Outdoor und sonstige Geschäfte durchgekaut und mit neuem Gewand und wichtigsten Dingen aus der Apotheke eingedeckt…. so lässt sich das „Nichtstun“ zumindest ein wenig ertragen.
Zurück in Hotel dann mit den Leuten an der Rezeption gesprochen und Pläne geschmiedet, wer mit einem Einwohner wie mitfahren könnte, um in Calama nach dem Gepäck zu sehen und zu versuchen die Lage zu entschärfen.
Im 18:00 herum kam der Rezeptionist zu uns mit „good News“ – unser Gepäck ist tatsächlich angekommen. Und so war es auch, alles hat es wohlbehalten zu uns geschafft. Wir sind in eine Umarmung gefallen.
Alle Pläne (Plan B, C und D) wurden über den Haufen geworfen – damit hat niemand mehr von uns gerechnet.
Die Ankunft wurde gebührend bei einem lecker Essen und einer Flasche Wein, die im Koffer war, gefeiert…wir konnten es nicht glauben! Was wir in San Pedro zu dieser Zeit schon kannten, waren die Restaurants.. zumindest irgendwie mussten wir die Seele ja beruhigen.. hier ein kleiner Ausschnitt.

Tag 4 – Die Hoffnung …

Etwas Regen in der Nacht, Frühstück aus der Küche – aber mit dem Gepäck ist alles gleich viel rosiger.
Bleibt dennoch die Frage – was nun?
Wir mussten für unsere Reise weiter nach Uyuni, Bolivien. Ursprünglich mit Bus geplant, haben wir umdisponiert – es gibt auch 3-tägige Touren nach Uyuni, die über andere Straßen führen, die angeblich passierbar sind. Also haben wir unsere Route umgestellt, Touren verglichen, mit Sernatur gesprochen und uns für einen Anbieter entschieden – wir verlassen am nächsten Tag San Pedro mit einer Jeep-Tour durch das bolivianische Hochland und durch die Salzwüste nach Uyuni.
Für Brigitte haben wir für den nächsten Tag einen Transfer organisiert und auch wenn wir nicht viel gesehen haben, hat uns das Ende ein wenig versöhnt.
Da sich am nächsten Morgen unsere Wege trennen sollen (Christians Mama zurück nach Calama und wir nach Bolivien) haben wir einen schönen Abend verbracht und mit einem erleichternden / aufatmenden Blick auf die letzten Tage zurückgeblickt.

Tag 5 – Endlich raus

Beim Buchen der Tour am Vortag wurden wir darüber informiert, dass die Grenze zwischen Chile und Bolivien auf 4.500 Höhenmeter liegt. Daher auch der Hinweis, am Vorabend leicht zu Essen und am Besten nichts, oder ebenfalls wenig & leicht zu frühstücken. Nach der Grenze wird dann ein Frühstück auf uns warten. Ein Fahrer mit einem Minibus wird uns abholen und zur Grenze bringen. Dort steigen wir dann auf der bolivianischen Seite in einen Jeep um und die Tour nach Bolivien wird beginnen – soweit das Briefing.
07:15 – Yippie, der Fahrer mit dem Minibus ist pünktlich beim Hotel. Wir verabschieden uns herzlich und mit leerem Magen von Brigitte und steigen ein. Mit zwei anderen Mitreisenden setzen wir uns in Bewegung und freuen uns, dass wir für die nächsten Tage eine kleine, aber feine Reisegruppe bleiben.

07:20 – Ca 3km außerhalb von San Pedro, auf der Straße zur Grenze, kommt es zu einem unerwarteten Stop. Vor uns ca 10 ähnliche Minibusse, neben uns eine lange Schlange von LKWs und vereinzelten lokalen PKWs. Die Straße vor uns ist mit einem Schranken versperrt (und dieser mit einem „amtlichen“ Vorhängeschloss gesichert). Unser Fahrer erklärt recht entspannt, dass die Straße meistens über Nacht gesperrt ist und auch die letzten Tage erst so gegen 9:30 geöffnet wird. Warum wir allerdings schon so zeitig da sind hat den Sinn, dass wir möglichst weit vorne in der Schlange für die Grenze sind, damit es dann schneller geht… Na gut, also ca. 2 Stunden warten. Unser Fahrer ist sehr entspannt und bereitet für uns Frühstück her. Auf einem kleinen Picknicktisch zaubert er für uns ein komplettes Frühstück, samt Tee, Kaffe, Brote, Wurst- & Käseplatte und Kuchen. Wir blicken den Fahrer fragend an, hat es doch geheißen, dass erst in der Höhe essen sollen. Der Fahrer lächelt mild und meint „Ja, grundsätzlich schon, das betrifft allerdings nur Milchprodukte und weiches Obst“ und langt als erstes zu, um zu zeigen, dass es schon OK ist. Vorsichtig folgen wir seinem Beispiel und stärken uns fürs den Tag. Der Fahrer erzählt und nebenbei viele spannende Geschichten und Infos zum Klima, der Wüste und den umliegenden astronomischen Einrichtungen. So lässt sich die Wartezeit prima aushalten. Die Schlange hinter uns wird länger und wir freuen uns schon, bald – und als einer der ersten – in Bolivien zu sein.

09:00 – Mit Rotlicht fährt die Polizei neben uns vorbei (wahrscheinlich um den Schranken aufzusperren und die Straße zu öffnen). Mittlerweile sind neben uns auch zwei Schneepflüge eingetroffen, die sich langsam in Bewegung setzen. Alle Fahrer starten aufgeregt die Motoren und stellen diese nach ein paar Minuten wieder ab. So auch unserer, der kurz darauf zum Schranken geht um die Situation zu erkunden – also… Auf der Straße zum Hito Cajon, dem Pass an der Grenze liegt Schnee, der geräumt werden muss. Um ca. 11:00 gibt es dann wieder ein Update, ob die Straße überhaupt befahrbar ist. Also – wieder 2 Stunden warten. Wir machen es uns im Minibus gemütlich, versuchen ein wenig zu schlafen in der Hoffnung, dass die Straße geöffnet wird.

10:30 – Naja, viel geschlafen haben wir nicht, dafür ein wenig auf der Straße auf- und abgewandert. Wieder fährt ein Polizeiauto an uns vorbei. Wieder erkundigt sich der Fahrer, diesmal kommt er freudestrahlend retour und startet den Wagen. Die Straße ist geräumt und wir können zur Grenze aufbrechen. Es dauert dann trotzdem noch ein bisschen, bis Vorhängeschloss und Schranken geöffnet sind. Die „Karawane“ der Tour- und Minibusse setzt sich in Bewegung, schließlich gibt es noch viele andere Gruppen, die eine ähnliche Reise gebucht haben. Spannend ist, dass die Polizei ausschließlich Touristen und Tourbusse durchlässt. Die LKWs und PKWs der Einheimischen dürfen nicht passieren und müssen weiterhin warten. Der Weg zur Grenze, ca 25 Minuten und knapp 2.200 Höhenmeter entwickelt sich zu einer Ralley der Fahrer… wilde Überholmanöver und alle versuchen das letzte bisschen PS aus den Motoren rauszuquetschen, um möglichst als Erster an der Chilenischen Grenze zu sein.

11:00 – Wir schaffen es als drittes Fahrzeug zur chilenischen Grenze, aber auch irgendwie schaut sie geschlossen aus. Unser Fahrer steigt aus, erkundigt sich und siehe da – die Grenze ist tatsächlich geschlossen. Der Grund ist schnell erklärt: Es gibt gerade keinen Strom und ohne Strom funktionieren die Computer mit den Immigrationssystem (Scan der Pässe) nicht. Aber nicht verzagen, der Strom sollte bald wieder kommen und wir mögen ein wenig warten. Nagut, das haben wir ja jetzt schon ein paar Mal geübt…  Der chilenische Gewnzposten liegt auf ca. 4.500 Meter und ist umgeben von schneebedeckten Vulkankegeln. Es ist kalt und der Wind treibt Nebel und Schnee über den Pass – irgendwie geheimnisvoll. Und unsere größte Sorge bleibt noch ein Weilchen weiter ungelöst. Als wir von der Osterinsel eingereist sind, haben wir keinen Immigrationszettel bekommen – der ist in Chile aber fast heilig. Wir wollten es mit Freundlichkeit und Erklärung versuchen. 

11:30 – Der Strom ist wieder da. Nach nur 30 Minuten warten nimmt die Grenze den Betrieb auf und nach dem Ausreiseformalitäten dürfen wir passieren. Es wurde nach unserer Erklärung nicht mal mit der Wimper gezuckt. Wir haben es endlich geschafft, wir sind aus Chile draußen. An der Grenze mahnen die chilenischen Beamten zur Eile, da die Grenze vermutlich gegen 13:30 aufgrund des Wetters geschlossen wird. Zum Glück ist uns das egal und in gewohnter Weiser steigt unserer Fahrer aufs Gas und bringt uns in Windeseile zur bolivianischen Grenze.

11:45 – Ein abgewracktes Ziegelhäuschen markiert den Grenzposten, aber kurz davor fährt unser Fahrer zur Seite und hält an. Schnell finden sich neben uns weitere Minibusse ein. Fragende Blicke, nicht nur bei uns Touristen und Reisenden, sondern auch bei den Fahrern. Der Grund? – Die Jeeps auf der bolivianischen Seite sind nicht da…. Die Fahrer beratschlagen sich und beschließen, dass wir bis ca. 13:00 den Jeeps die Chance geben zur Grenze zu kommen. Vorsichtig teilt uns unserer Fahrer die Neuigkeiten mit; schließlich heißt das ja zum wiederholten Mal warten…
Zum Glück haben wir am Vortag noch ein paar Snacks und Obst gekauft, dass uns ein wenig über die Mittagszeit hilft.

13:00 – Knapp 1,5 Stunden später wissen wir schon mehr… Schlechtes Wetter in Bolivien hat scheinbar die Jeeps daran gehindert zur Grenze zu kommen. Nicht nur in San Pedro, sondern auch in Bolivien gab es heftige Regenfälle (jo eh…). Das interessante an der ganzen Situation ist, dass es hier oben (noch immer auf 4.500 Höhenmeter) keinen Handyempfang gibt, die meisten Infos und Aussagen auf Mutmaßungen beruhen. Einzig die Aussage der Grenzbeamten scheint zu wirken (die Chilenische Grenze wird vermutlich um 13:30 wieder geschlossen) und um ca. 13:15 gibt es den offiziellen Abbruch der Tour: Es wird nicht mehr gewartet und alle Busse kehren um zur chilenischen Grenze – Wenn es die Jeeps nicht schaffen, dann fahren wir zurück nach San Pedro; Besser zurück in Chile als zwischen den Grenzen zu bleiben. Gesagt getan und die Fahrer matchen sich wieder um sie die Plätze an der Grenze… Na gut, dann eben keine Tour nach Uyuni, Bolivien. Während der unzähligen Minuten des Wartens (und teilweise des Verzweifelns) haben wir unsere Pläne B, C und D neu geschmiedet – unzählige Varianten überlegt, wie wir weitertun.

13:30 – Wir sind wieder an der Grenze und die Einreise verläuft recht problemlos – und plötzlich haben wir ganz legal das heilige Zetterl. Lediglich das Obst, dass wir am Vortag in San Pedro für die Tour gekauft haben mussten wir entsorgen – Vorschrift ist Vorschrift und frisches Obst darf einfach nicht nach Chile eingeführt werden. Kurz nach der Grenze bremsen sich plötzlich wieder alles Busse ein. Mittlerweile haben wir schon gelernt, dass wenn sich alle Fahrer zamreden, dass es dann anders kommt. So auch dieses Mal – einer der Fahrer wurde nach San Pedro vorgeschickt, um dort mit Handyempfang die Jeeps zu kontaktieren … vielleicht lässt sich ja doch noch eine Lösung finden. Und wir, wir durften wieder warten, bis der Fahrer mit News zurückkommt. Die Verzweiflung, nicht mal Plan B oder C realisieren zu können zehrt an uns.

14:00 – Das ging aber schnell. Es ist fix (und offiziell): Die Jeeps konnten die Grenze nicht erreichen und haben in einem kleinen Dorf, ca 250km von uns entfernt Unterschlupf gefunden – Viel zu weit weg von Grenze und somit auch von uns. Das Ende der Tour nach Bolivien war hiermit besiegelt. Bergab, zurück nach San Pedro war auch das Rennen der Busse wieder eröffnet, nach dem Schneechaos von oben mit fantastischen Blicken über Atacama. Irgendwie wollte jeder zuerst zurück sein, doch kurz vor San Pedro – 3km vor der Stadtgrenze – kam das Rennen abrupt zum Stehen. Der Schranke, der in der Früh die Straße versperrt hat, war auch jetzt wieder geschlossen. Auf unserer Seite ca. 15 Minibusse, auf der anderen Seite die gleiche Schlange an LKWs und PKWs, die schon in der Früh nicht passieren durften und jeder von uns wollte auf die andere Seite. Irgendwie spannend – da sperrt die Polizei in der Früh den Schranken auf & dann wieder zu, aber dass die Busse auch wieder retour kommen, daran hat wohl niemand gedacht? Mit der Bitte um ein letzten bisschen Geduld wurde die Polizei angerufen und wir, wie konnten nichts anderes tun als zu warten – 3 km von San Pedro entfernt… zumindest hatten wir am Weg noch die Chance, ein paar zottelige, bunte Llamas (oder Alpacas?) zu sehen.

15:30 – Geschafft! Nach nur einer Stunde warten hat es die Polizei aus der Stadt zu uns geschafft und den Schranken aufgesperrt. Wir sind zurück in San Pedro und buchen den ersten Bus nach Calama – endlich raus – ist die Devise. Der Bus geht um 16:20 und bringt uns in zwei Stunden in die „große Stadt“, raus aus der Wüste, zurück in die Zivilisation. Ohne Mätzchen, aber vorbei bei Lacken.
Brigitte, die zu Mittag nach Calama aufgebrochen ist weiß noch nichts von unserem Abenteuer und wir beschließen sie im Hotel zu besuchen.

18:30 – Wir kommen im Hotel, in dem auch Brigitte einquartiert ist, an und staunen nicht schlecht… Aufgrund der Situation in der Atacama-Wüste in den letzten Tagen, wurde keine Touristen nach San Pedro gelassen und die meisten blieben in Calama um besseres Wetter abzuwarten. Das hatte allerdings zur Folge, dass die meisten (alle?) Hotels ausgebucht waren. Zum Glück hatte Brigitte eines der letzten Zimmer – ein 3-Bett-Zimmer bekommen…. und so wussten wir für unsere letzte Nacht in der Gegend, wo wir unterkommen konnten. Achja, und wegen der starken Regenfälle war in Calama die Wasserversorgung zusammengebrochen und es gab seit drei oder vier Tagen kein Wasser mehr in der Stadt, Restaurants waren geschlossen und in den Supermärkten kam es zu Hamsterkäufen…
Das Wiedersehen mit Brigitte war sehr, sehr nett – Da die Restaurants geschlossen hatten, haben wir uns im nahegelegenen Supermarkt mit Snacks und Pisco eingedeckt und den Abend im Hotel verbracht. Am späten Abend (zwischen 21:00 und 22:00) wurde kurz das Wasser eingeschaltet und wir konnten doch noch duschen und uns frisch machen. Am nächsten Morgen ging es dann für Brigitte weiter mach La Serena, einer schönen Küstenstadt und wir hatten schon Bustickets nach Uyuni in der Tasche…

Tag 6 – Endlich raus – Teil 2

Da unser Bus erst zu Mittag ging, konnten wir ein wenig ausschlafen. Entspannt kamen wir am Busterminal an und warteten auf unseren Bus. Geplante Abfahrt war 12:00 und knapp 7 Stunden später sollten wir in Uyuni ankommen. Mit kleiner Verspätung (ca 30 Minuten) war es dann soweit – gemeinsam mit anderen bekannten Gesichtern aus San Pedro & der abgebrochenen Tour, sowie einer Folkloregruppe aus Bolivien saßen wir im Bus nach Uyuni. Eine kleine Hiobsbotschaft- die Toilette im Bus is defekt, aber es gibt ohnehin ein paar Stops unterwegs. Die Fahrt zur Chilenischen Grenze verlief recht entspannt. Dort angekommen hieß es „alle aussteigen“ und anstellen zur Ausreise, Pass stempeln lassen und wieder in den Bus einsteigen. Auch an dieser Grenze liegen die Gebäude zur Abfertigung ein wenig auseinander. Knapp 5 Minuten Busfahrt später sagen wir die Bolivianische Grenzstation. Hoffentlich schaffen wir es diesmal. Alle aussteigen, Gepäck aus dem Bus holen und anstellen… Die Einreise nach Bolivien verlief wie am Schnürchen und ein paar Minuten später hatten wir den neuen Stempel im Pass – geschafft. Nicht so allerdings für ein Pärchen aus den USA. Die hatten kein Visum für Bolivien und ihnen wurde die Einreise verweigert. Also wieder rein in den Bus, quer durchs Niemandsland und die beiden mussten an der Grenze zu Chile aussteigen und wurden dort ihrem Schicksal überlassen – hoffentlich konnten sie ungehindert zurück nach Chile einreisen….
Wir im Bus wieder umgedreht und endlich in Bolivien angekommen – ein neues Land mit neuen Abenteuern wartet auf uns. Und die Abenteuer haben nicht lange auf sich warten lassen…
Aufgrund der Regenfälle waren die Straßen, vielmehr die Lehmpisten, nur langsam befahrbar und die geplante Fahrzeit von sieben Stunden hat sich laufend erhöht.
Zwei Stunden vor Uyuni, um ca. 19:00 dann ein gewagtes Manöver: Weil vor uns auf der Strecke ein paar LKWs hängen geblieben sind, wollte unser Busfahrer eine Umfahrung nehmen, nur um dann selber festzustecken. Scheinbar hat unserer Fahrer die Piste falsch eingesetzt und wir saßen in einer Matschlacke fest, die Ränder hatten keinen Grip mehr und das Heck von Bus saß auf einer kleinen Böschung auf. Auf Bitte des Busfahrers stiegen wir alle aus und haben angeschoben – keine Chance. Nächster Versuch – das ganze Gepäck ausladen um den Bus noch leichter zu machen… soweit alles kein Problem, wäre da nicht nur alles voll Lehm und Matsch, wo wir die Koffer und Rucksäcke hinstellen konnten – dennoch, besser dreckiges Gepäck als gar nicht weiterkommen… also, alles rausräumen, alle anschieben – keine Chance. Dann, alle Steine sammeln und unter den Rädern verteilen, um besseren Grip zu bekommen. Gesagt, getan – keine Chance. Dann ging’s daran das Heck freizuschaufeln, weiterhin Steine suchen, …. Die einsetzende Dunkelheit hat nicht wirklich zur Lösung beigetragen, aber die vielen Handys haben die Scene ausgeleuchtet (der Bus samt Busfahrer hatte lediglich einen Wagenheber, aber sonst kein Werkzeug, Taschenlampe, Schaufel o.ä. dabei).
Knapp 3 Stunden später – und wir waren noch immer am Steine sammeln, graben und anschieben hatten wir ein Riesenglück… die LKWs, denen wir ursprünglich ausweichen wollten kamen frei und einer davon konnte den Bus mit einem extrem waghalsigen Manöver wieder auf die eigentliche Straße schleppen. Das ganze Gepäck wieder einladen und wieder Fahrt in Richtung Uyuni aufnehmen. Das einzig schöne an der Situation… wir waren dermaßen im Nichts, um die Sterne und die Milchstraße in voller Pracht zu sehen.
Im Bus war die Stimmung erleichtert und viele von uns müde und haben versucht zu schlafen… Bis, bis der Bus erneut angehalten hat. Was denn jetzt schon wieder? Kurz vor Uyuni, knapp 30km gab es einen Unfall und die Straße ist gesperrt. So kurz vorm Ziel – es war ca 23:00 war erneut Aus. Wir würden kurz und knapp darüber informiert, auch, dass es vorm Morgen kein Weiterkommen geben wird. Uns stand eine ungeplante Nacht in Bus bevor. Es wurde ruhig und nach und nach hat der Bus tief und fest geschlafen (was sonst sollte man tun)…
Am nächsten Morgen, so gegen 5:30, als es hell wurde haben wir die ganze Situation erfasst. Vor uns Stand eine lange Kolonne an Fahrzeugen und am Horizont konnten wir die Kolonne in der Gegenrichtung ausmachen. Im Bus wurde verhandelt und mit dem Busfahrer diskutiert, was getan werden könne. Einige packten ihre Sachen und machten sich auf den Weg nach Uyuni – zu Fuß und mit Gepäck am Rücken, anderen blieben im Bus und warteten entspannt…. Wir, wir wussten nicht so recht – knapp 30km im Gatsch war keine wirkliche Option und warten (ohne zu wissen wie lange – vor allem nach den letzten Tagen) war auch nicht so prickelnd. Also haben wir uns ein Zeitlimit gesetzt, wollten – wem auch immer – eine Chance geben, die Straße zu räumen. Nach und nach sind kleine Gruppen – auch aus den Bussen vor und hinter uns – zu Fuß aufgebrochen und wollten die Strecke selber in Angriff nehmen. Dazwischen immer wieder Diskussionen mit dem Fahrer „wenn wer aussteigt, ist er/sie selbst verantwortlich und wird nicht mehr reingelassen“ usw. Kurz vor Neun bereiten auch wir uns vor den Bus zu verlassen. Angeblich warten nach dem Unfall – auf der anderen Seite Autos und Minibusse, um Touristen abzuholen und nach Uyuni zu bringen. Kaum haben wir unser Zeug gepackt, kommt Bewegung in die Kolonne und der Bus setzt sich langsam in Bewegung. Meter um Meter kommen wir voran – steady but slowly, bis wir an der Unfallstelle vorbei sind und langsam fährt aufnehmen können. Bis Uyuni dauert es zwar nicht mehr lange, aber unsere gebuchte Tour in die Salzwüste um 9:30 schaffen wir nicht mehr.
Oder doch? Die Chancen haben sich in dem Augenblick wieder erhöht, als wir von der Zeitverschiebung zwischen Chile und Bolivien (zu unseren Gunsten) erfahren haben. Um Punkt 9:30 erreichen wir dann doch noch den Busterminal in Uyuni und Laufen es das Zeug hält zu unserer Tour in die „Salar de Uyuni“ – aber das, das wird eine andere Geschichte…

Nachtrag
Mit ein paar Tagen Abstand lassen sich die Erlebnisse recht „neutral“ beschreiben. Auch wenn vielleicht noch die eine oder andere Herausforderung vor uns liegt, waren die sechs Tage eine emotionale Achterbahn, geprägt von Zweckoptimismus, Verzweiflung, Frust und dem Versuch füreinander stark und da zu sein.
Unsere Route wird / wurde von mehreren Reisenden geplant und so haben wir in der Zeit in San Pedro und v.a. in den Versuchen rauszukommen immer wieder Gleichgesinnte getroffen, die großteils ähnliche Geschichten zu erzählen wussten.
An der Stelle möchten wir Richard erwähnen:
Richard hatte ursprünglich eine Antarktis-Expedition gebucht. Allerdings, eine Woche bevor er in Chile angekommen ist, ist das Expeditionsschiff gesunken. Sein Alternativprogramm war dann Torres dem Paine – hat ihn gut gefallen, aber halt doch was anderes. Im Abschluss hätte es nach San Pedro gehen sollen, allerdings kurz nach uns, zu einem Zeitpunkt, als die Straße schon gesperrt war und so musste er – wie viele andere auch – ein paar Tage in Calama „absitzen“ (wohlgemerkt ohne Wasser), bis die Straße nach San Pedro wieder frei war. In San Pedro dann ähnliche Erlebnisse wie wir – keine Möglichkeiten für Ausflüge. Richard hat am gleichen Tag wie wir (mit einem anderen Touranbieter) versucht nach Uyuni zu kommen. Am Busterminal in San Pedro haben wir uns dann das erste Mal getroffen, hatten den gleichen Bus von Calama nach Uyuni und konnten so unsere Geschichten erzählen. Wie gesagt, eine ähnliche Route, die uns auch noch das eine oder andere Wiedersehen bescheren wird. Und auch wenn wir uns nur kurz kannten – es war immer ein herzliches Wiedersehen.

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